Und sie lebten glücklich..

Schön wars!
Schön wars!

Ein Monat ist vergangen.

Das Zurückkommen war GRANDIOS, das Ankommen war schwer.

 

Die Rückkehr hat Spaß gemacht. Nach ein paar letzten sehr aufregenden Tagen und verrückten Nächten, verließen wir am 09. August morgens um 9.20 Uhr den ecuadorianischen Boden - mi tierra - und machten uns auf den Heimflug. Es war ein wenig wie auf dem Hinweg ironischerweise : Etwa 15 deutsche Freiwillige, eine Zwischenlandung in Bon Aire (wo Josi, Johanna und ich nocheinmal unser allererstes gemeinsames Bild wiederholten und uns die anderen Mitfliegenden sehr seltsam anschauten und) bei der uns allen die Hitze hochkam und dann die Ankunft in Amsterdam nach etwa 13 Stunden.

Dort hieß es dann zum letzten Mal Abschied nehmen.

Inzwischen habe ich ja einiges an Übung darin. Zuerst ein paar tränenreiche Male mit meinen Kindern -vor allem Ariana-, dann von meinen ecuadorianischen Freunden und schließlich von meinen engsten Leuten, vor allem meinem "Bruder" Josue, der mir doch sehr ans Herz gewachsen war.

Doch mit den Volunteers war es ein freudiger Abschied, wenn es denn so etwas gibt. Es war ein "Wie-schön-dass-wir-uns-kennenlernen-durften-Danke-für-die-gemeinsame-Zeit"-Abschied, wahrscheinlich, weil wir doch alle ein bisschen aufgeregt waren, nach so langer Zeit nach Hause zu kommen. Natürlich war ich auch sehr traurig, besonders, als ich dann allein im Flugzeug nach Berlin-Tegel saß. Da kam mir auch die eine oder andere Träne und die Melancholie übertrumpfte die Vorfreude.

Sehr emotional wurde ich erst, als ich den Brief meiner lieben Josi las. Ich habe ihn glaube ich dreimal hintereinander gelesen und gelacht und geweint und mich gefreut.

DANKE JOSI, falls du das liest. Eres en mi corazón y siempre te quedarás!

 

Ankunft, Berlin-Tegel um 9.35 Uhr : Bei der Landung kommt mir Berlin ungewöhnlich flach vor, aber wenn man ein Jahr in den Bergen wohnt, sollte das normal sein. Der Himmel ist ein bisschen grau mit einzelnen blauen Flecken. Bei der Gepäckausgabe warte ich lächelnd und gleichzeitig verunsichert auf meine Koffer, denn die Leute um mich herum, meckern nicht nur ungeduldig über das lange Warten, sondern sie haben auch alle einen Berliner Dialekt und ich stelle fest, dass ich von meinen deutschen Mitfreiwilligen vollkommen zu Unrecht für meinen Dialekt ausgelacht wurde, ich Berliner nämlich gar nicht so sehr!

Draußen warten meine Eltern und meine Schwester und ich kann es gar nicht fassen, dass ich sie so so so lange nicht gesehen habe. Es war das allergrößte, sie endlich wiederzusehen! Aber das könnt ihr euch sicherlich vorstellen.

Zu Hause kommt auch der Rest meiner Familie und zwei Freundinnen dazu. Ich bin sehr, sehr glücklich.

 

Doch ich will ehrlich sein.

Danach wurde es sehr schwer. Ich muss hinzufügen, dass dieser Teil sehr subjektiv ist und natürlich nur MEINE Wiederkehr erzählt und nicht das generelle Beispiel für Zurückkehrer ist.

Für mich war es alles andere als einfach, wieder hier zu sein.

Zu allererst sind mir alle Unterschiede aufgefallen. Von halbleeren Straßenbahnen (in Quito gibt es nur megavolle Busse) über hunderte pfeifende Fahrradfahrer (in Quito gilst du als lebensmüde, wenn du Fahrrad fährst) bis hin zu "normalen" Hunden (in Quito gibt es eigentlich nur Straßenhunde) oder Baustellen (das können die sich glaube ich gar nicht leisten).

Als nächstes wurde ich krank. Ich dachte, das deutsche Essen würde mich beflügeln, aber scheinbar musste ich mich trotzdem erstmal umstellen und so wartete ich auf diese Umstellung vier Tage lang. Der Arzt meinte danach, eigentlich sei ich kerngesund.

Und obwohl ich Tag für Tag meine Freunde endlich wiedersah und feststellte, dass sich nicht viel verändert hatte und das ein sowohl beruhigendes, sowie unberuhigendes Gefühl war und ich gleichzeitig Berlin mehr und mehr wiederentdeckte mit all den alten und neuen Bars und Ecken, hatte ich das Gefühl, dass ich, obwohl ich wusste, dass ich Berlin und alles daran liebte und immer lieben würde, es in dem Moment einfach nicht so fühlte. Ich war einfach ein wenig verloren mit mir selbst.

Selbstverständlich kam das auch von meinem Unwissen, wie es jetzt weiterging und mit meiner Unentschlossenheit und mit meiner Unlust. Oder war es umgekehrt? Jedenfalls war ich nicht nur verunsichert, sondern auch ein wenig abgeneigt gegenüber allem und jedem und sehr ängstlich. SEID GLÜCKLICH, dachte ich manchmal, wenn ich die Menschen beobachtete.

Voraussicht.
Voraussicht.

Es dauerte vier Wochen, bis ich das Gefühl hatte, wieder angekommen zu sein und meine Stadt und meinen Platz und mein Gleichgewicht wiedergefunden zu haben. Dass ich nach Hamburg fuhr, um Josi zu ihrem Geburtstag zu besuchen und eine Woche später nach Wien, um meinen Studiumsplan an der Wiener Uni zu realisieren, half mir ungemein, Berlin wieder zu fühlen und nicht nur noch herumzusitzen und zu reflektieren (obwohl das refekltieren sehr gut und sehr wichtig war!). Jetzt laufe ich durch diese Straßen und fühle mich wieder sehr wohl - estoy bien! Und ich treffe meine Freunde und es geht mir gut. Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Obwohl ich mir immernoch nicht zu 100% sicher bin, wo meine Zukunft liegt - aber wer ist das schon?! - fühle ich wieder, dass ich hier immer hingehören werde. Berlin meine Heimat. Meine Herzglut.

 

Und gleichzeitig gehört mein Herz auch an den Äquator - lindo Quito de mi vida, Ecuador de mi alma, te amo! - wo so viele gute Momente, Lektionen und Menschen sind, die ich in der Zeit zu einem Teil von mir gemacht habe. Ich blicke zurück und bin sehr glücklich, dass ich das gemacht habe, denn es ist eine einmalige Erfahrung gewesen, die mir niemand nehmen kann und die mir sehr viel bedeutet. Pai por todo mis panas!

 

Und so geht diese Geschichte zuende. Besser hätte ich sie selbst für mich auch nicht schreiben können, wirklich nicht. Dann fehlt also nur noch das obligatorische "und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende"...

 

Danke fürs Lesen, ihr Lieben!

Besos desde Berlin,

Eure Berrin

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Kommentare: 1
  • #1

    u=4137 (Montag, 22 April 2013 00:20)

    This is an excellent article! Thanks for sharing!

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