Aktuell : Ausnahmezustand und Krisenquito und ein bisschen Resumee

Hallo ihr Lieben!

Wie ihr ja vielleicht schon mitbekommen habt, obwohl es scheinbar nicht so riesig durch die Nachrichten ging wie hier, ging es in letzter Zeit politisch in Ecuador und besonders in Quito total ab.

 

Hier hab ich einen Link von Spiegel-Online, wenn ihr das nochmal nachlesen moechtet.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,720607,00.html

 

Wie ich das mitbekommen habe, war das ungefaehr so : Unser Praesident hier, Rafael Correa, wollte den Polizisten die Loehne kuerzen und daraufhin sind die Polizisten in den Streik gegangen (es fanden Demonstrationen und Antidemonstrationen im historischen Zentrum statt). Bei einer Rede des Praesidenten wurde eine Traenengasbombe geworfen, die Correa in die Augen bekam. Also wurde er ins Polizeikrankenhaus gebracht. Doch nach einer Weile war scheinbar nicht klar, ob er sich dort freiwillig aufhielt oder ob er entfuehrt wurde. So entbrannte vor dem Krankenhaus eine Schiesserei zwischen der Polizei und dem Militaer, welches den Praesidenten befreien wollte. Bei der Schiesserei kamen soviel ich weiss 4 Menschen ums Leben. Gegen zehn Uhr wurde Correa dann befreit und hielt auf dem Plaza de la Independencia eine mitreissende Rede, die mit der ecuadorianischen Hymne endete.

Mein Tag war dagegen relativ unspektakulaer, ich ging wie jeden Tag zur Arbeit und dort wurde mir dann Bescheid gesagt, was gerade im Zentrum Quitos los war (ich arbeite und wohne im Norden Quitos). Demnach sollten wir Freiwilligen uns weniger rumtollen und uns moeglichst sicher und schnell nach Hause begeben. Da bis dato auch nicht klar war, wie sich die Situation aendern wuerde, denn der Notstand wurde in gesamt Ecuador fuer eine Woche ausgerufen, sollten wir erstmal am Freitag nicht arbeiten und zu Hause bleiben.

Mich schockten vor allem die Bilder im Fernseher, weil sich das abspielte, wo Josi und ich gerade mal einen Tag vorher langspaziert waren und einen Canelazo mit Brombeere getrunken hatten.

So wirklich Angst hatte ich ehrlich gesagt nicht, weil wir uns zu weit vom Geschehen entfernten, aber die Bilder waren einfach unglaublich schockierend. Ich blieb dann zu Hause und guckte mir mit Iris und Josue "Karate-Kid" auf DVD an, um uns ein bisschen abzulenken.

Am freien Freitag fuhr ich zu Josi nach Cumbaya und guckte mir zum ersten Mal an, wie sie so lebte. Ausserdem lernte ich ihre Gastfamilie kennen - ein Erlebnis! Wir wollten um 13 Uhr zum Bauernhof der Tochter nach Yaruqui fahren, fuhren dann SCHON um 15 Uhr los und nahmen unsere neue VASE-Praktikantin, die gleichzeitig Josis Nachbarin ist, gleich mit. Auf dem Bauernhof sammelten wir Maiskolben, kochten und spielten mit den Kindern der Verwandschaft. Nach einem ewig langen Tag, fuhren wir (geplant war 18 Uhr) um halb 8 in Richtung Cumbaya und nachdem wir dann mindestens 20 Mal anhielten und "noch schnell" eine Besorgung machten, waren wir um halb Zehn ENDLICH zurueck bei Josi. Muede und erschoepft wie wir waren fielen wir auch bald darauf in die Betten, Allerdings war das Einschlafen in Cumbaya ziemlich schwer, weil die Strassenhunde sich draussen zerfetzten. Am Samstag machten wir uns nach wenig Schlaf und wie immer viel zu fruehem Aufstehen, vor allem fuer einen Samstag, auf dem Weg nach Collaqui, um dort Hannan, Jan und Lars zu besuchen, aber Hannan und Jan waren ausgeflogen und so trafen wir nur Lars, was auch witzig war. Von Collaqui ging es wieder nach Cumbaya essen und dann nach Quito zu mir nach Hause. Schliesslich machten wir zwei uns auf den Weg ins Zentrum, um uns dort mit Vale, Moritz und Yannis zu treffen. Den Abend verbrachten wir dann in Quito, was dank der Besserung der Situation hier, ziemlich witzig und entspannt war...

Heute haben Josi und ich uns auf einen Spaziergang zum Supermaxi (Einkaufsladen) gemacht und ich hab mich mit neuen Pflegeprodukten eingedeckt. Ausserdem haben wir uns mit American Cookie-Teig beladen und diese zu Hause in der Heimkueche fabriziert. Sie schmecken wunderbar - moechte jemand probieren? Josi und ich haben schon wunderbar viele Plaene fuer die Weihnachtszeit, scheinbar habe ich in Josi einen Weihnachtswichtel und eine Backfee gefunden und das macht uns viel Spass.

 

Morgen fange ich endlich an im "naechsten Level" zu arbeiten. Rueckblickend war die Arbeit in der Babygruppe sehr sehr sehr anstrengend, aber auch sehr spassig und immer wieder ein Erfolg nach dem naechsten und ich bedauere es sehr, dass mir wegen der Quito-Krise mein letzter Tag genommen wurde, sodass ich mich gezwungen schnell verabschieden musste. Es ist so erstaunlich, wie gut ich die Kinder kenne und wie sehr sie mir auch vertrauen und sich immer mehr eingewoehnt haben. Ich hab sie einfach alle so lieb gewonnen, selbst den Dicken, der mich auf Schritt und Tritt heulend und jammernd verfolgte und auch die Hexe, die in der Mittagspause nie schlafen wollte und es erst in den letzten Tagen unter Anstrengungen konnte. Ich werde sie alle vermissen, vor allem meine kleinen Monster, die immer mittanzen, ob Kinderlieder oder Reggaeton. Und ich werde auch meine Kolleginnen vermissen, besonders Carla mit der jeder Tag einfach viel lustiger war und jedes Lied seinen eigenen Charakter bekommen hat. Jetzt mach ich meinen Kopf frei und gehe mit meinen neu erlernten spanischen Kinderliedern ins naechste Level und hoffe, dass ich mir ein Bild von den Neuen machen kann, auch wenn mir mit ihnen viel weniger Zeit gegeben ist. Und wenn ich die kleinen Quaelgeister doch zu sehr vermissen sollte, kann ich sie ja jederzeit besuchen oder als meine spaetere Hauptgruppe waehlen.

Ich halte euch ueber meine Vorlieben auf dem Laufenden.

 

Ach, eins noch, weil ich gerade daran denke : Einigkeit und Recht und Freiheit! Heute gedachten Josi und ich in meinem Bettchen dem Tag der deutschen Einheit und sangen die Nationalhymne. Darf man sich lustig vorstellen.

 

So ich finde, das ist wieder ein wenig viel zum Lesen und obwohl ich wieder einmal viel mehr erzaehlen koennte, verabschiede ich mich mit Gruss und Kuss und hoffe sehr, dass ihr alle wohlauf seid. Lasst euch nicht von den Nachrichten erschrecken, denn allen Freiwilligen geht es wunderbar, soweit ich mich bei ihnen erkundigt habe. Mir inklusive.

Viele Kuesse aus Quito,

Eure Berrin

 

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