Guapolo, TeleferiQo und Alltag

Ein Monat ist rum und ich kann wohl behaupten, mich schon irgendwie eingelebt zu haben.

 

Die Tage haben jetzt einen bestimmten Ablauf und viele Dinge kommen mir jetzt hier fast selbstverstaendlich vor. Zum Beispiel die Spielzeugauto-Alarmanlagen. Damit meine ich nicht wirklich Spielzeugautos, denn die Alarmanlagen der Autos klingen hier eindeutig wie aus irgendeinem Science Fiction Film, ich sollte das mal aufnehmen. Die klingeln ungefaehr 3 Minuten lang alle moeglichen nervigen Geraeusche durch. Ausserdem hupen die Ecuadorianer bei alles und jedem bisschen. Betrittst du die Strasse und er will gerade abbiegen, wird gehupt, bei saemtlichen Zusammentreffen von Autos auf Kreuzungen wird gehupt, eigentlich wird immer gehupt. Bestimmt so eine Art kuenstlerischer Ausdruck.

 

Am Wochenende waren wir auf dem TeleferiQo und sind zum Aussichtspunkt beim Cruz Loma hingelaufen. Witzig war, dass uns ein Journalistenteam begleitet hat. Sie wollten einen Bericht schreiben ueber den TeleferiQo und dem Tourismus, da war die 13-Mann-Truppe aus Deutschland genau richtig fuer. Also liessen wir uns ein Stueckchen von ihnen begleiten, jedenfalls bis zu dem Pferdegehege auf dem Berg. Man konnte sich dort tatsaechlich auf ich weiss nicht mehr wieviel Metern Hoehe ein Pferd ausleihen und in den Bergen rumreiten. Hat was von Heidi und dem Ziegenpeter. Unsere Gruppe wollte jedoch eigentlich bis zu dem Rucu Pichincha, einen auf 4680m gelegenen Berg. Wenn ich schaetzen muesste, so habe ich es etwa bis auf 4300m geschafft und selbst von dort hatten man schon einen unbeschreiblichen Blick auf die Stadt und die Landschaft. Da wir schon um 10 Uhr hochgefahren sind, sind wir in etwa um 13-14 Uhr wieder runtergefahren. Man munkelt die Wolken ziehen Nachmittags schnell auf und dann saehe man seine eigene Hand nicht mehr. Einige seien wohl auch schon vor Kaelte erfroren dort oben. Die andere Haelfte unserer Truppe hat es Erzaehlungen zu Folge noch sehr viel weiter nach oben geschafft und ein paar wohl auch auf die Spitze des Berges. Ein ander Mal probieren wir das bestimmt auch noch, vielleicht wenn wir die richtige Ausruestung dafuer haben...

 

Am Montag habe ich uebrigens ueber unsere deutsche Truppe in der Zeitung gelesen... Wenn ich den Artikel von Iris zurueck bekomme, dann kann ich ihn ja mal hochladen fuer diejenigen, die es interessiert. Der "Comercial", wie die Zeitung heisst, moechte im Uebrigen noch einen Artikel ueber Freiwilligenarbeit schreiben und Mickey, Yannis und ich haben uns dazu bereit erklaert. Bleibt also abzuwarten, was da auf uns zukommt!

 

Am Samstagabend war ich dann zum ersten Mal in Guapolo und wie der Name schon sagt, war es dort mega-"guapo" (guapo = huebsch, schoen). Mickey, Udo und ich gingen in eine dieser winzigen Bars, eigentlich nur, um Bier zu trinken und eine Pizza zu essen. Was wir bekamen, war einer der lustigsten und besten Abende bisher. Wir sassen auf der Terrasse mit Megaausblick auf Landschaft und Lichtermeer und tranken unser Bier. Gegessen wurde dazu die einmalige Pfirsich-Pizza, ein Erlebnis, das wir alle drei herausragend fanden und von dem wir unbedingt erzaehlen mussten. Etwas spaeter gingen wir nebenan in eine andere Bar und trafen dort kurz darauf Johanna und die ganze Amibande, was sich als lustig herausstellte. Irgendwie ist die Atmosphaere in Guapolo nochmal ganz ganz anders als in der Mariscal, weil man eher ungestoert ist und trotzdem eine Wahnsinnssicht auf Berge hat. Und das Beste ist eigentlich, dass es nicht so touristisch gepraegt ist, wie Gringolandia.

 

 Ansonsten vergehen die Tage hier wie zu Hause, weil ich langsam im Projekt-Alltag gelandet bin. Die Kinder werden von Tag zu Tag ruhiger, sie gewoehnen sich einfach an mich und an den Kindergarten an sich. Ich hab sogar schon Armmuskelkater vom Kindertragen.

Aber das ist nicht weiter schlimm, weil ich sie ja lieb hab und gerne trage. Einige sind immernoch Problemkinder, die immer weinen und sich auch nicht so schnell beruhigen lassen, aber andere sind mit der Zeit verspielter geworden. Meine "Lieblingskinder" (ich weiss man sollte keine haben, aber es gibt eben welche, die dich vollkommen belagern die ganze Zeit) wuerd ich euch kurz vorstellen. Da ist zum ersten die Juliana, die in etwa das niedlichste Kind aus unserer Gruppe ist und am Liebsten die Mobilees mag ueber den Betten und an der Decke, das heisst sie kommt immer an und moechte, dass ich sie hochnehme, sodass sie an die Mobilees rankommt. Sie ist auch diejenige die immer ganz doll weint, wenn ich Feierabend habe und gehe. Julietta heisst ein Kind, dass mich immer total an Dana erinnert, jedenfalls als Dana noch kleiner war. Sie lacht immer total viel und freut sich, wenn man sie durch die Luft wirbelt (im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern, die dann anfangen zu heulen..). Dann ist da noch Kerly, die ich eigentlich den Tag ueber selten Lachen sehe, ausser, wenn sie auf mich zurennt und ich sie so hochnehme und einmal rumwirbel, dann strahlt sie immer. Von den Jungs mag ich eigentlich am Liebsten Carlitos, der mir immer High Five gibt und Daniel, der zu jeder Musik tanzt und lacht. Natuerlich haben wir in unserer Gruppe noch ganz viele andere liebe und suesse und lustige Kinder, aber wie mit allen Personen kann ich immer nur einen kurzen Eindruck ueber sie vermitteln und dann auch eher ueber die, die ich am Liebsten hab.

 

Was mich vor kurzem total fasziniert hat, ist, dass es hier andere Sternenbilder gibt als zu Hause, das heisst den grossen Wagen sehe ich zum Beispiel gar nicht. Ganz schlau bin ich aus den Sternenbildern hier noch nicht geworden, aber ich beobachte sie fleissig aus meinem Zimmerfenster, wenn man sie sieht! :)

 

Ich denke, das war es erstmal wieder von mir, ich hoffe es geht euch allen gut und ich melde mich bald wieder. Ich denke an euch.

Eure Berrin

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