Eggmaster und schreiende Babies

Jetzt bin ich schon drei Wochen hier und arbeite seit gestern auch in meinem Projekt. Es fuehlt sich noch immer seltsam an, hier zu sein und manchmal, wie zb. am Samstag an Danis Geburtstag wuensche ich mir, dass jemand, statt Schafe zu klonen, lieber das Beamen erfinden wuerde oder wenigstens, dass Ecuador nicht mehr als 10.000 km von Deutschland entfernt waere.

 

Aber dann denke ich mir wieder, dass es doch auch ganz gut hier ist und ich wieder ein wenig Ecuador nach Deutschland bringen kann! Und das ist ja auch immerhin etwas..

 

Die letzte Woche war cool und anstrengend. Anstrengend, weil die Ecuadorianer eine seltsame Buerokratie haben und cool, weil ich mein Projekt und meine Projektpartnerin kennen gelernt habe und weil wir wieder ein wenig Action hatten, ach und nicht zuletzt, weil ich das erste und vorerst LETZTE Mal "drei Tage wach" gespielt habe. Das kam so :

 

Mein liebstes Herz Josi hatte am Mittwoch Geburtstag und wir wollten, besonders ich, ihren Geburtstag moeglichst SUPERTOLL oder wie wir hier sagen CHEVERE feiern. Deshalb backten Ciko und ich einen Pflaumenkuchen a la mama de Josi, schenkten ihr Kaffee (hier, man moege es nicht glauben, ein rares Gut, denn alle trinken Ekel-Instant) und nach unserem letzten Schultag lud ich Josi noch auf einen Jugo (oder wie wir hier sagen "Hugo") ein, bevor wir uns fuer abends verabredeten. Spaeter trafen wir uns mit Johanna und ihren aeusserst amerikanischen Amis und gingen zur LADIES NIGHT in den Bungalow (gleiches Spiel wie letzte Woche, deshalb kuerze ich mal ab).

Am Donnerstag hatte ich meinen ersten richtigen Depritag und waeren Belen und Iris nicht gewesen, waere ich mit Miesepeterstimmung zu Hause geblieben.

Auf jeden Fall verbrachte ich den halben Tag mit Belen, die mir mein Projekt und Iris vorstellte und ich fand beide toll : Mein Projekt, weil es bunt und schoen und voller suesser Kinder ist und Iris, weil sie lustig, lieb und voller Energie ist.

Als ich abends im Pyjama mit meiner Gastfamilie Dr.House guckte, lockte mich Iris, die uebrigens ausser meine Projektpartnerin auch noch dazu meine Nachbarin ist, doch noch mal aus dem Haus und zusammen mit ihrem Gastbruder und dessen Freund gingen wir Chupitos (Shots) trinken, bis zu dem Punkt, da mein Handy einen Tauchgang ins Klo machte. So lernten Iris und ich uns am ersten Tag gleich mal nuechtern und betrunken kennen - auch gut.

 

Freitag also wieder frueh raus, wieder zum Migrantenoffice, wieder nichts (Josi und ich wollten Donnerstag schon und es klappte nicht, im Endeffekt bin ich am Samstag nochmal zum Office und hielt dann feierlich meinen Censo, das ist sozusagen unser Ausweis hier, in den Haenden und im uebrigen fand ich es nur gerecht, dass der Typ vergessen hatte, dass ich noch nicht bezahlt hatte!! Nebenbei zugeben muss ich, dass ich Freitag meinen Reisepass vergessen hatte und es deshalb nix wurde..). Am Nachmittag hatten wir mit allen VASE-Leuten ein Pick-Nick zu dem jeder ecuadorianisches Essen mitbrachte (im Endeffekt waren es eher Snacks) und abends also das dritte Mal in die Mariscal in drei Tagen - Holla die Waldfee. Wir gingen in unsere Lieblingsbierbar (4 Bier fuer 5 $) und spaeter tanzen (das Pilsenerbier hier ist total super!).

 

Naechste kurze Nacht und Tagesziel fuer Samstag : Mitad del mundo, die Mitte der Welt. Zusammen mit Josi und ihrem Freund Santino fuhren wir also zum eigentlichen Aequator. Imposant war dieser grosse Turm und ein grossartiges Gefuehl, in der Mitte der Welt zu sein. Josi und ich machten Ratschlaege auf dem Aequator, zu 3. blickten wir nach Deutschland in die Ferne und sahen Meerschweinchen am Spiess (nein, ich habe noch nicht probiert).

Da im Tourifuehrer stand, dass das nicht der richtige Aequator war, sind wir weiter ins Inti-ñan, ein interaktives Aequatormuseum, auf dem angeblich eigentlichen Aequator (ich bleibe skeptisch). Dort war es suuuperlustig. Wir haben beobachtet, wie das Wasser im Waschbecken einfach durchschoss, im suedlichen Teil gegen und im noerdlichen Teil im Uhrzeigersinn strudelte, haben uns Schrumpfkoepfe und die Haut von Riesenschlangen (16 m, darueber komme ich immernoch nicht hinweg..die koennte 15 Berrins laengs fressen und ich will sie nie nie nie treffen!!) angeschaut. Aber das eigentliche Highlight war die Sache mit dem Ei, denn angeblich kann ein Ei auf dem Aequator auf einem Nagel stehen. Aber was heisst hier eigentlich; da wir es mit eigenen Augen bei unserem Guide sahen, wollten Josi, Santi und ich nicht eher gehen, bis wir es auch schafften und unser Eggmastercertificate in Haenden hielten (ja, wir waren sehr stolz und fuehlten uns sehr cool danach).

Mit geschwollener Brust, wehendem Haar und Poncho ritten wir auf unseren Alpaca-Lamas nach Hause; oder jedenfalls stellten wir es uns so vor. :)

 

Sonntag wollten wir auf den TeleferiQo, der einen auf den Aussichtspunkt bringt, aber das mit dem Wetter ist hier ein wenig verhext, denn am Morgen/Mittag ist es hier meist wunderbar und am Nachmittag/Abend ziehen sich die Wolken zusammen und manchmal regnet es. So wie an diesem Sonntag. Also wieder kein guter Sonntag (letzte Woche wollten wir abends Bier trinken, aber am heiligen Sonntag gibt es keinen Alkohol!).

 

Endlich war Montag - mein erster Arbeitstag. Als ich mit Iris ankam, schreiten und heulten alle Babies in meiner Gruppe (ich arbeite einen Monat in der Babygruppe mit 8monatigen bis 1,5Jahre alten Babies) und das ging etwa 3 Stunden so. Mit 5 Babies auf einmal, die alle Einzelbehandlung fordern ist nicht gut Kirschen essen und wenn man rechnet, dass 40 Babies in der Gruppe sind und wir 4 Kindergaertnerinnen, dann kann man vielleicht nachvollziehen, dass es ein wenig anstrengend ist.

Ab mittags wurde es besser, weil die "neuen" Kinder im Kindergarten abgeholt werden und die "alten" Mittagsschlaf machen. Pause fuer Iris und mich. Ab 15 h nochmal eine Stunde, danach fix und Feierabend.

 

Insgesamt gefaellt mit die Arbeit gut und sie wird sicherlich noch besser, wenn die Guaguas (Babies) aufhoeren zu weinen. Aber nach einem Monat rotiere ich eh erstmal in den Gruppen, bevor ich mich fuer eine entscheiden darf.. ich halte euch ueber Motivation und Frust auf dem Laufenden. Bisher habe ich sie furchtbar lieb, auch wenn sie mich vollrotzen, denn eigentlich haben sie ja nur Angst und wollen zu Mami..

 

Eine unerfreuliche Nachricht noch, dann gehe ich Dr.House gucken : Am Donnerstag hat mein Gastpapi einen Raubueberfall direkt in unserer Strasse beobachtet und mich gebeten, vorsichtig zu sein und wenn es dunkel ist nur mit Taxi nach Hause zu kommen.

 

So, Schluss fuer heute! Heute ist nicht alle Tage, ich schreib wieder, keine Frage! :)

Un beso, eure Berrin

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