F wie Fiesta, Freiwillige und Freizeit

So ihr Lieben,

da ich jetzt gerade noch zu Hause sitze, der Rest meiner Familie irgendwo im nirgendwo unterwegs ist und ich mir Vickys Notebook nochmal ausgeborgt habe, kann ich euch ein bisschen was lustiges neues erzaehlen, zum Beispiel von der Abschiedsfiesta von Kai am Freitag, von dem Indiodorf Otavalo, wo wir gestern waren und ein bisschen was ueber die anderen Freiwilligen und was wir sonst so treiben.

 

Am Freitagabend wollten wir feiern gehen. Deshalb wollte ich extra ein bisschen frueher nach Hause von der Schule, um mich nochmal auszuruhen und alles in Ruhe anzupacken (na ihr wisst schon.. fertig machen. Das dauert bei uns Maedels doch!). Ich stieg also in den Ca-Tar, das ist ein Bus, der hier langfaehrt und sitze gemuetlich da und denke ich fahre nach Hause, weil der Bus, der bei mir langfaehrt eben auch der blaue Ca-Tar ist. Nichtsahnend plapper ich also am Telefon mit Kai und Josi, wobei ich mich langsam wundere, welche Strassen wir ueberhaupt nehmen und seit wann der Ca-Tar eigentlich am Flughafen langfaehrt. Ups. Ich hatte mich also wiedermal verfahren. Kein Problem, dachte ich, denn das war mir erst letztens auf dem Weg zur Schule auch passiert (zu dem Zeitpunkt war ich zwar genervt, weil ich mich abhetzte, aber Schule war ja eh langweilig und deshalb fand ich es nicht soo schlimm zu spaet zu kommen ;)). Ich also auf der Karte nachgeguckt und festgestellt, dass ich etwa 7 km noerdlicher war als sonst und sozusagen noch mehr im Norden als ich sonst schon wohne. Irgendwann fuhr der Bus immer weiter bergaufwaerts und die Haeuser wurden immer aermlicher, die Baeume mehr und die Menschen im Bus weniger, bis ich dann im Grunde die Einzige im Bus war. Ehrlich gesagt, so ganz so cool wie eine halbe Stunde davor, war ich dann nicht mehr. Aber ich sagte mir, Mensch, schoene Aussicht, wann komm ich denn sonst mal so rum und der Bus muss ja irgendwann auch wieder in die Stadt reinfahren. Ein netter Ecuadorianer hat mir dann mit der Karte helfen wollen, war superlieb, allerdings hat er selbst etwa 15 Minuten zum Lesen der Karte gebraucht und ich hatte mir schon laengst einen Nach-Hause-Weg ueberlegt. Jedenfalls sind wir dann wieder ins Zentrum gefahren, ich bin in den Ecovia, den Zentrumsbus, umgestiegen, in den RICHTIGEN blauen Ca-Tar umgestiegen und mit etwa zwei Stunden Verspaetung zu Hause angekommen. Da war es dann ploetzlich schon 17 Uhr und um 18 Uhr wollte ich eigentlich wieder los. Naja, also Schleudergang.

 

Um zwanzig vor Sieben haben wir uns dann im Mariscal, also dem Weggeh-Touri-Viertel getroffen und waren erst in einer Bar am Plaza Foche. War ein bisschen teurer und die Musik ein bisschen DJ Grin-go, aber eigentlich ganz lustig. Danach waren wir ploetzlich sehr viele und ich hab mich an Berliner Weggehstandards erinnert gefuehlt ( "Lass mal Eberswalder treffen!"). Zu zwoelft haben wir dann bei der naechsten, kleineren, gemuetlicheren Bar, ich glaub sie hiess Maharradscha und da gab es 5 Bier fuer 4$, was die Gruppe natuerlich sehr freute und sehr animierte. Als wir alle gut drauf waren (die Hoehe hilft da schliesslich ungemein, muss man hinzufuegen, sodass der VASE-Ratschlag fuer Hoehe und die ersten Wochen "Caminar despacito, comer poquito y dormir solito" zu dt. Langsam laufen, wenig essen, alleine schlafen, vielleicht noch mit "beber poquito" dt. trink wenig, hinzuzufuegen waere ;)), sind wir tanzen gegangen und ich moechte eigentlich gar nicht soviel dazu sagen, ausser, dass ich es mir GENAU SO vorgestellt habe hier. Viele Menschen, wenig Platz, wenig Sauerstoff, House-Latino-Musik und viiiel Leidenschaft. Muss fuer die meisten ein ungeheurer Selbstbewusstseinspush sein. Der Club hiess "Bungalow 6" und es war insgesamt eigentlich echt witzig, unsere Volunteer-Gruppe plant jedenfalls ein Revival naechste Woche. Das Einzige, womit ich immernoch nicht so klar komme, sind die vollen Strassen, das erinnert mich total an Malta in Paceville und manchmal bin ich da noch ein bisschen uebervorsichtig, aber ist vielleicht auch besser so. ;)

Im Taxi gings dann nach Hause, was zwar nicht billig war (Gringo-Aufschlag eben), aber immerhin war der Taxifahrer nett und er hat mich sicher nach Hause gefahren. Jegliche Horror-Taxi-Alptraeume also erstmal unbestaetigt.

 

Nach zu wenig Schlaf ging es dann am Samstag mit einem gelben angeblich funkelnagelneuen Bus und unserer Volunteer-VASE-Truppe nach Otavalo, ein von Quito zwei Stunden entferntes Indiodorf. Unterwegs hielten wir an und kamen an einen Snackshop, wo ein Junge in Tracht und einem Alpaca-Lama auf uns wartete, um fleissig Touribilder machen und abkassieren zu koennen. Als wir weiterfuhren stiegen ein paar Indiomaedels ein und sangen Lieder auf Quechua, klang total schoen. In Otavalo angekommen sind wir ueber den Indiomarkt gegangen und Josi und ich haben ungefaehr tausend Dinge gefunden, die wir toll fanden und deshalb beschlossen, dass wir in zehn Monaten nochmal nach Otavalo auf den Markt gehen und dann aber richtig shoppen gehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Freiwilligen waren wir beim shoppen zurueckhalten, ich hab mir nur einen Schildkroeten-kettenanhaenger gekauft (ohne Kette -.-). Der Markt an sich war ziemlich lustig und es gibt einfach viiiel zu viiiel zu kaufen. Haengematten (ich will ne Haengematte!!!), Alpacapullis, Schachspiele mit Indios gegen Spanier, supertolle Klamotten (sehr bequem aussehend) etc. Nach dem Mittagessen sind wir dann zu einem Wasserfall in der Naehe gefahren und waren erstmal im Wasserfall baden. Das war sooo unglaublich cool! Die Stroemung war zwar sehr krass, aber man hat sich einfach hammer gut gefuehlt.

 

Danach waren wir noch im National Park (ich hab mit Tieren gerechnet, es waren aber Berge und gruen und viiel Wasser) und sind mit dem Motorboot und unserer Gruppe einmal um die Berge im Wasser gecruist. War ziemlich lustig und sah fantastisch aus. Anschliessend haben wir unseren gratis Canelazo getrunken und sind mit dem Bus zurueck nach Quito gefahren. Was ich jetzt beinahe vergessen haette, man konnte unterwegs die Farm, auf die einige der Freiwilligen arbeiten werden sehen, das war nochmal ein bisschen aufregend.

 

Ach, beinahe waere es mir entfallen, ich wollte noch ein paar Worte zu den anderen Freiwilligen sagen. Alle sind supertoll, ich hab sie schon jetzt sehr lieb gewonnen. Im Unterricht ist es vor allem mit der Prinzessin Hannan und Fabian sehr witzig und nachmittags nach der Schule bin ich am Liebsten mit Josi, meiner Corazòncita, Ciko, Yannisito und Vale Wunderbaer unterwegs, mit denen man einfach superviel Spass hat und die wie ich nur Bloedsinn im Kopf haben. Die VASE-Leute hab ich auch schon gern, vor allem Belen und Lasse und natuerlich Kai, aber der sitzt ja jetzt wieder im Flugzeug nach Deutschland. Alles in allem ist es ein bisschen schade, dass so viele der Freiwilligen weggehen.. Johanna und Udo sind ja zum Beispiel bereits in ihrem Projekt, aber wenn sie mitkommen, dann freut man sich immer noch mehr, weil man mit Udo richtig gute Gespraeche haben kann und weil Johanna jede Grundstimmung nochmal um zwei Grad aufpeppt. Nicht zu vergessen sind mein lieber Micky, der eigentlich Marcel heisst, aber den ich Micky nenne, weil wir bei der Orientation eben Micky und Minnie waren, als wir so ein Spiel gespielt haben. Und natuerlich Lars, der aber gerade krank ist und den ich jetzt schon seit dem InfoVoS ziemlich gut kenne. Diese und noch viiiel mehr Leute helfen mir hier, nicht so dolles Heimweh zu haben und ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie so toll sind. :)

 

Ich hoffe es geht euch allen gut, ich denke an euch, mache mir Gedanken und vermisse euch, aber wisst ihr, ihr muesst ja wissen, dass ich euch lieb hab, denn das weiss man, wenn es so ist.

Viel Liebe aus Quito

 

Eure Pequeñita

 

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