Ein riesengrosser Spielplatz voller Hunde, Indigenas und tollen neuen Entdeckungen!

Ich habe mir diesmal eine Liste gemacht, weil es einfach zu viel ist, was ich mitteilen muss. Eine Seite voller neuer Entdeckungen. Wenn ich mich nicht irre, dann hat in Berlin gerade wieder die Schule angefangen.. Momentan gehe ich hier auch noch zur Schule und es ist unglaublich langweilig. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich 15 Stunden wegfliege, nur um wieder zur Schule zu gehen. Ich bin im Curso Avanzado – die Schlaufuechse sozusagen - und wir machen im Grunde genau das gleiche, was ich in der Schule im Spanischunterricht auch gemacht habe : Grammatik, Texte lesen, diskutieren und das im 8. Stock eines Hochhauses mit geschlossenen Jalousien. Wir haben Unterricht von 9 Uhr bis 13 Uhr, danach haben wir Freizeit und begeben uns auf Entdeckungstour in der Stadt, meistens essen wir erstmal etwas Unsere "Schule" liegt direkt im sogenannten "Mariscal", das ist das Touristenviertel. Ich bin Freitagabend das erste Mal mit meiner Familie und der anderen Freiwilligen Anita, die bis Sonntag dageblieben ist (jetzt ist sie wieder in ihrer Schweizer Heimat), dort gewesen. Was heisst dort gewesen, wir sind mit dem Auto dort "spazierengefahren", weil es doch scheinbar ein bisschen unsicher ist abends. Aber Morgen gehen wir dort feiern mit der grossen Truppe Freiwilliger, das erste Mal feiern uuhuu! Einen Grund haben wir auch : Kai, einer der VASE-Leute (VASE ist die ecuadorianische Organisation, die sich mit den Freiwilligen aus Deutschland und aller Welt, aber vor allem auch den ecuadorianischen Freiwilligen beschaeftigt) feiert seinen Abschied und wir machen alle mit.

Weil ich gerade bemerke, dass meine Liste viiiel zu lang ist, beschreibe ich mal einen der Tage. Ich stehe morgens um 7 Uhr auf und stolpere die Treppe runter in die Kueche, wo meistens schon Gastmama Maria (sie ist Krankenschwester), Gastpapa Eduardo (er ist Fussballtrainer der L.D.U. de Ecuador) und Gastschwester Vicky (sie ist Ernaehrungsberaterin und hat mit ihrem Freund ein Catering-service), sowie unsere Haushilfe Gaby und ihr 1 Jahr alter Sohn Estefano (der am gleichen Tag wie ich Geburtstag hat :)) am herumwerkeln sind. Sie alle sind schon viiel laenger wach als ich und meistens auch schon alle aus dem Haus, wenn ich aus der Dusche komme. Zum Fruehstueck gibt es Kakao, ein suesses Broetchen und einen Batido, das ist eine Art Fruechte-Milch-MIx-Getraenk. Um 8 Uhr gehe ich dann auch aus dem Haus, bis zu dem Tor, vorbei an unserem Hund "Juguetona" und raus auf die Strassen Quitos. Ich gehe zu dem Schild mit Parada und warte auf einen der Hundert blauen Busse,die bis auf den letzten Platz gefuellt sind. Ich kann mich daran nicht gewoehnen. Ich dachte immer, dass die Busse in Indien sauvoll seien, aber die Ecuadorianischen machen denen schon ziemlich Konkurrenz. Nach einer anstrengend, stehenden, endlosen Fahrt komme ich also im Mariscal an. Ich steige aus, laufe bis zu unserer "Schule", wobei mich die Ecuadorianer anstarren oder pfeifen. Ziemlich unangenehm, dieses Gefuehl, so als waere man irgendwie ein neues Spielzeug oder so.

Dann beginnt der Unterricht, ein nie endendes Kapitel. Man schaut auf die Uhr, hoert wieder zu, schaut wieder auf die Uhr und wundert sich, dass er drei Minuten vergangen sind, seit man das letzte Mal auf die Uhr geschaut hat. Aber so ist das nunmal..

Gestern waren wir im Centro Historico - dem historischen Center in Quito. Ziemlich beeindruckend, wir haben uns den Plaza de la Independencia, die Iglesia de Compañia, die Catedral auf dem Plaza Grande, das Museo de la Ciudad und die antike Calle Ronda angeguckt. Vor allem die Iglesia de Compañia war schockierend, weil drinnen alles aus Gold war. Ein ziemlich komischer Anblick um ehrlich zu sein, denn waehrend es auf der einen Seite wunderschoen ist, ist es andererseits auch abschreckend, weil man sich fragt, warum die Ecuadorianer das Gold nicht anders verwendet haben. Seltsam ist es, vor allem wenn man wieder raus auf die Strasse geht und der erste Mensch der einem begegnet ein 6-jaehriger Junge ist, der deine Schuhe putzen will oder ein 4-jaehriges Maedchen, das dir Kaugummi verkaufen will. Die Bilder praegen sich ein wie nichts. Ueberraschend ist uebrigens, dass es hier nur supersuesse Kinder gibt. Und damit meine ich OHNE AUSNAHME. Im Gegensatz zu deutschen Moppelchen, sind die hier einfach viel zu niedlich. Man moechte sie alle einsammeln, in den Koffer packen, mit nach Hause nehmen und in die Glasvitrine stellen, so niedlich sind sie.

In der Calle Ronda war ich schon am Samstag mit meiner Familie und da war es viel spannender. Abends ist da mehr los und in jedem Hauseingang verkaufen sie Canelazo, eine Art Gluehwein, total lecker. Als wir dort waren habe ich das erste Mal Empanada de Viento gegessen, das sind im Grunde Teigtaschen mit Zucker und Kaese. Es gibt sie auch mit Huehnchen, Fleisch und Gemuese. Die schmecken supergut.

Heute waren wir beim Salsa. Obwohl ich schon Salsa getanzt hab, hat es mir nicht soviel Spass gemacht, weil ich frueher Rueda de Casino getanzt habe und wir haben hier nur als Paare getanzt, was mir ein bisschen zu langweilig war.

 

Es gibt hier ziemlich viele Dinge, die mich verwundern oder erschrecken. Da ist die Sache mit den Toiletten, vielleicht wisst ihr das noch nicht, aber wenn man hier auf Toilette geht, dann schmeisst man sein Toilettenpapier in einen Eimer neben der Toilette, damit die Klos nicht verstopfen.

Ausserdem krass ist, dass ich manchmal das Gefuehl habe, es gibt in den Strassen mehr Hunde als Menschen. Die streunen hier ueberall rum und einer der Freiwilligen wurde schon gebissen.

Beim Einkaufen sind mir ein paar Jungs aufgefallen, die an der Kasse dein Zeug in Tueten packen, alle Tueten auf einen Wagen schmeissen, den bis zu deinem Auto schieben und dein Auto einraeumen. Nett, oder?

Die Ecuadorianer muessen hier uebrigens oefters mal ihre Taschen und Rucksaecke abgeben, wahrscheinlich damit niemand klaut.

Vor den Supermaerkten und wichtigen Gebaeuden sind hier oftmals bewaffnete Polizisten, ist ehrlich gesagt ein bisschen einschuechternd.

Die Strassen sind hier unglaublich sauber, ich bin echt ueberrascht, vor allem in Vergleich zu Berlin, wo ueberall Kippen, Kaugummis und Glasscherben rumliegen. Vicky meinte, das Abkratzen eines Kaugummis vom Boden wuerde 15 $ kosten, kein Wunder also, dass es hier viele Kampagnen gibt zum Sauberhalten der Strassen und Umwelt.

Ziemlich schoen sind im Uebrigen auch die Mauern, die mich an unsere East Side Gallery in Berlin erinnert, denn alles ist vollbemalt, manchmal mit Quatsch, manchmal mit wirklich schoenen Bildern.

Am Samstag hatten wir eine Ueberschwemmung im Schlafzimmer, scheinbar durch die Toilette erzeugt, aber ich bin nicht sicher.

 

Zum Schluss noch ein paar Worte zu meiner Gastfamilie, denn die verdienen es nochmal extra genannt zu werden. Am Anfang viel es mir ein bisschen schwer, mich zu arrangieren, weil ich mich einfach ein wenig fehl am Platz gefuehlt habe. Inzwischen gucke ich jeden Abend mit meiner Gastmami und Vicky Dr.House. Am Liebsten mag ich bisher die Enkelin Christina. Sie ist 12 Jahre alt, erinnert mich ein wenig an eine aeltere Ausgabe meines Aupairkinds Rocio und ist quirlig wie eh und je. Gaby unsere Haushilfe ist superlieb und erklaert mir immer hundert Sachen in der Kueche, waehrend ich ihren Sohn Estefano durch die Kueche jage. Mit Vicky verstehe ich mich super und kann mich immer mit ihr unterhalten, was mir mit meinem Gastpapa noch etwas schwer faellt. Der taut immer nur auf, wenn wir mit Christina unterwegs sind, aber klar, das ist der Opi-Bonus! :D

Meine Gastmama Maria ist superlieb, nur manchmal ein bisschen genervt, ansonsten laesst sie mir viele Freiheiten, ich darf eigentlich kommen und gehen wann ich moechte, nur moechte sie immer Bescheid wissen, damit sie sich keine Sorgen machen muss. Im Grunde also wie zu Hause :) Allerdings bin ich meistens eh um circa halb Sieben zu Hause und dann gibt es um Sieben "Abendessen", das heisst eine Tasse Schoki, ein Brot y ya esta. Die groesste Mahlzeit ist hier naemlich das Mittagessen, da gibt es dann Suppe, danach Fleisch mit Reis und Gemuese und ein Dessert.

 

Wie ihr seht habe ich schon ziemlich viel zu berichten und das war natuerlich noch laengst nicht alles, aber jetzt ist es fast zehn Uhr und ich sollte langsam ins Bett hopsen. Ich denke viel an zu Hause und an meine Liebsten, vor allem waehrend der langen Busfahrten und abends im Bettchen krieg ich dann doch ein bisschen Heimweh. Aber trotzdem geht es mir hier supergut und ich bin sehr froh, hier zu sein. Denn jeden Tag gibt es was Neues zu sehen!

Ich hoffe, es geht euch allen gut. Meldet euch doch mal, damit ich mehr laechelnde Gesichter im Kopf hab, wenn ich an euch denke :)

Ich vermisse euch sehr und hab euch lieb.

 

Eure Berrin

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