Adivina adivinanza..

Lost at the frontier between dream and reality..

 

Zurück vom Seminar bleibt mir eigentlich nur zu sagen, wie wunderschön es ist,

mal nicht ans Abschiednehmen zu denken, sondern mal an das, was vor mir liegt,

auch wenn das jetzt, da ich wieder zu Hause sitze, ein abruptes Ende hat und ich

wieder vor der Unwirklichkeit meines Weggehens stehe.

 

Zusammen mit etwa 45 anderen Teilnehmern, von denen 14 andere noch im 

weltwärts-geförderten Programm sind, haben wir die 7 Tage mehr oder weniger

gut überstanden, soll heißen mit eher weniger Schlaf.

Alles in allem war es ein tolles Seminar, an dem ich wirklich nicht rumnörgeln kann.

Die Grundstimmung war entspannt bis heiter, alle haben sich gut verstanden, die

einen oder anderen sogar mehr als gut...

Als ich am Donnerstag mit den anderen Weltwärtslern ankam war ich wenig optimistisch,

dass es mir Spaß machen würde, vor allem, weil meine eigene Verfassung immer

noch eher einem emotionalem Tief entsprach. Aber der Einstieg in den ICJA-Trupp,

der schon seit 3 Tagen die Vorherrschaft führte, war leichter und lustiger als gedacht.

Die Sternchengruppe nahm Esther und mich mit großem Hallo auf und ich fühlte mich

gleich ein wenig zu Hause.

 

Meine Teamer Paul und Anika waren nicht nur superlieb, sondern auch total locker drauf, sodass die Stimmung in der Sternchengruppe immer ziemlich fröhlich-ansteckend war.

Ein paar Leute waren sogar von meinem letzten Info-VOS da, zb. Jörn, Jannis, HC, Finn, Richard, Esther und die Teamerin Nicole. Das hebte meine Stimmung um ein Weiteres, denn das Info-VOS im Februar war wirklich unglaublich lustig und hat damals meine Vorfreude auf das Auslandsjahr gesteigert und mir gezeigt, dass meine Entscheidung dazu richtig war.

Auch die anderen Teamer - Maayen, Felix, Kohle, Julian und Anna - waren total offen und haben alle Fragen geduldig beantwortet. Die "Energizer" morgens waren (fast immer) erfolgreich und haben Spaß gemacht. Die Einheiten waren hauptsächlich interessant und haben zum Nachdenken angeregt, manche Diskussionen waren sogar besonders hitzig

(vor allem die Rassismus-Einheit - auweia! Merke : Rassismus ist oftmals Diskriminierung, Diskriminierung aber nicht gleich Rassismus!! Na gut, wie man das eben definiert, aber es ging ja besonders darum, uns für Rassismus zu sensibilisieren. Trotzdem bin ich immer noch unschlüssig, ob das eine gute Methode war, uns das Thema näherzubringen...), einige Einheiten waren auch eher langatmig, aber die meisten waren im Kern sehr lehrreich. Vor allem die Gender-Einheit fand ich interessant, da sie gezeigt hat, wie unterschiedlich Frauen und Männer doch über die Eigenschaften ihres und des anderen Geschlechts dachten. Die einzelnen Ideen der Teamer, zum Beispiel zu dem Identitätsband oder dem Lieblingsessen, sowie die "weltweit verlieben"-Einheit waren total niedlich und kreativ und auch die Tüte mit dem Spielzeug fürs Gastland war ein schönes Souvenir für zu Hause (oder eigentlich eher für die neue Heimat).

 

Sogar der Ausflug nach Berlin hat mir mal eine andere Seite meiner Heimat gezeigt. Mit viel Krawall ging es mit dem Bus ins Zentrum -der Busfahrer war wahrscheinlich wenig begeistert von den 50 gröhlenden Jugendlichen- und dort dann im Gropius-Bau in die "Topografie des Terrors"-Ausstellung, die den ganz alltäglichen Terror des Nationalsozialismus beleuchtete und zwar nicht nur von der deutschen, sondern auch von der jüdischen, polnischen, tschecho-slovakischen, italienschen, spanischen, französischen, ect. Seite. Insgesamt ist das Thema Nationalsozialismus ziemlich ausgelutscht, aber im Endeffekt ist es gerade für die nächsten Generationen wichtig, nicht aufzuhören darüber zu reden und so weiter, jedenfalls ist das mein Standpunkt. Natürlich bin ich auch eher mit einer genervten Miene in die Ausstellung gegangen, aber danach war ich mal wieder total nachdenklich und bedrückt.

 

Am Dienstag haben wir dann abends noch eine kleine "Traumreise" gestartet, zu derem Ende wir uns selbst einen Brief schreiben sollten, den ICJA uns dann in sechs Monaten zuschickt. Zuerst hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich schreiben sollte, vor allem nicht mir selbst. Im Endeffekt habe ich mir nochmal meine jetzigen Gedanken von der Seele geschrieben und Befürchtungen und Wünsche aufgelistet. Ich bin gespannt, was ich nach den sechs Monaten zu meinem Gekritzel sage..

 

Am letzten Abend haben wir dann noch unsere kleine, interne "Carzy Hair"-Party geschmissen - die Krönung der Woche - und alle ausgelassen zu den Sommerhits des Jahres getanzt. Ein bisschen traurig wurde ich dabei natürlich auch wieder, denn der nächste Abschied war gekommen, auch wenn es "nur" der Abschied der neugewonnenen Freunde war. Dennoch sind sie einem in der Woche schon ziemlich ans Herz gewachsen und dementsprechend ist es schon sehr schade, dass wir uns alle in verschiedene Richtungen verstreuen.

Den Titel hat die Party übrigens wegen ihrem Thema erhalten, denn alle mussten sich mit einer verückten Frisur auf der Party präsentieren. Einige sind dabei total aufgegangen und kreativ geworden (Crazy-Hair-Gewinnerin war Lea mit einer Art Steckdosen-Albert-Einstein-Frisur) und insgesamt war der Abend ein gelungener Abschluss (mal abgesehen von dem kleinen Auftritt der Polizei).

 

Mittwoch war dann morgens nochmal Klupgrubbe und die Sternchen trafen sich zur Auswertung. Am Schönsten an der finalen Einheit war das Spiel, bei dem jeweils einer der Gruppe sagt, wo er jetzt gerne wäre, dann die Augen schließt und alle anderen Gruppenmitglieder machen Geräusche, wie sie glauben, dass sich der Ort anhört. Ein letztes MA-AAHHHH-ZUNGA und dann wurden wir zum Mittagessen und zum Gehen entlassen.

 

Jetzt sitze ich hier zu Hause und sehe mir noch einmal meine Geschenke von meiner Geburtstagsfeier an, bei der ich ein absolutes emotionales K.O. erlebte. Ich hätte zwar vorher nicht gedacht, dass es mir so schwer fallen würde, aber irgendwie war es schon ein bisschen überwältigend, wenn 50 Leute den Countdown runterzählen, mit Wunderkerzen "Happy Birthday" singen und dich alle gleichzeitig umarmen wollen. Da dürfen auch mal ein paar Tränchen fließen, meinetwegen auch ein ganzer Ozean. Nebenbei höre ich gerade die Seminar-CD, ein Song-Mix der Lieblingslieder aller Teilnehmer und Teamer. Eine wundervolle Idee übrigens. Ebenso wundervoll die Idee des "Secret Friends" : Mein secret Friend Simon hat mir zum Schluss eine CD mit Kinderliedern geschenkt - eine total liebe und aufmerksame Geste, von der ich zu Hause auch nochmal beim Hören total begeistert war.

 

Ein bisschen fühl ich mich noch hin- und hergerissen zwischen Abschiedstrauer und vorsichtiger Vorfreude. Höchstwahrscheinlich wird es mir auch noch die nächsten drei Wochen so gehen, aber immerhin begreife ich es vielleicht langsam, was es bedeutet wegzugehen. Der Zeiger schwingt von Extrema zu Extrema, aber das war schließlich bei mir schon immer so : Himmelhochjauchzend, Zutodebetrübt.

 

Zum Schluss noch mein kleines Lieblingsrätsel (auf Spanisch) :

 

Adivina adivinanza

No es de plata

Plata no es

Quien que no sabe

un tonto es.

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